Brückenpark Neisse | Eine neue Urbanität

Der Brückenpark soll der Stadt eine neue Lebensqualität schenken. Es geht nicht in erster Linie um die Rekonstruktion eines alten Viertels, sondern um die Konzipierung und Errichtung der »Mitte einer Stadt« und des Miteinanders in dieser. Hier soll etwas Neues entstehen, das vom Wesen her mit unserer Zeit verbunden ist.


Als 1945 alle sieben Neißebrücken von Görlitz gesprengt wurden, zerriss damit mehr als nur eine Verbindung über den Fluss. Die heutige moderne Altstadtbrücke entstand erst 2003/04 und ermöglicht nun wieder den direkten Weg von der Altstadt in den östlichen Teil der Stadt. Seit der Wiedererichtung der Altstadtbrücke hat sich vieles gewandelt in den beiden Städten. Längst schon ist die neue Altstadtbrücke zu einem Wahrzeichen geworden. Die Grenzanlagen sind weggefallen mit dem Beitritt Polens in die Europäische Union. Und so gelassen die Görlitzer und Zgorzelecer mit ihrer neuen Brücke umgehen, so einfach ist es für  Besucher einen Fuss von Deutschland nach Polen zu setzen.

Der Krieg hat eine Lücke hinterlassen im dichten Netz der Neißequerungen, mit der Sprengung der Lindenwegbrücke am 7. Mai 1945.  Zwischen Altstadtbrücke und Reichenberger Brücke / Stadtbrücke verlief einst eine weitere Fussgängerbrücke. 

Der Eiserne Steg am Neißeviadukt machte einst das Lustwandeln in den Weiten der Weinlache möglich.  Der Wassersport hatte hier einst seine Heimat gehabt.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die Görlitzer Oststadt über sieben Brücken mit der restlichen Stadt verbunden; sie wurden in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1945 gesprengt. 1946 mussten auch die letzten deutschen Einwohner die Oststadt räumen. Die Regelungen des Potsdamer Abkommens trafen Görlitz schwer, da die Neiße die Stadt fortan teilte. Görlitz wurde zur Grenzstadt und verlor ein Fünftel ihrer Stadtfläche sowie die Görlitzer Heide, das wirtschaftliche Rückgrat der Kommune. Das Neißeviertel wurde zur polnischen Stadt Zgorzelec.

Der Brückenpark Neisse ist das erste gemeinsame stadtgestalterische Infrastrukturvorhaben einer deutschen und einer polnischen Stadt. Für die beiden getrennten Gemeinwesen besitzt es eine große praktische und symbolische Bedeutung. In der „Gemeinsamen Erklärung” vom 5. Mai 2003 der Stadträte von Görlitz und Zgorzelec wird festgelegt, »dass der Brückenpark zu einem neuen Zentrum der Europastadt Görlitz-Zgorzelec mit den Schwerpunkten Kultur, Bildung, Kommunikation ausgestaltet wird«. Die Stadt Zgorzelec beschloss daraufhin im September 2003 die Erarbeitung eines Programms zur „Revitalisierung der Neiße-Vorstadt“.

Wahrzeichen der Europastadt: Neiße und Altstadtbrücke


Aus der Bewerbung von Görlitz-Zgorzelec | Kulturhauptstadt Europa 2010

Der „Brückenpark“ ist ein Ort der Begegnungen, er schlägt neue Brücken zwischen der deutschen und der polnischen Kultur und befördert gemeinsamen Bürgersinn

Seit 1998 bilden Görlitz und Zgorzelec als Europastadt einen kommunalpolitischen Verbund. Es ist immer klarer geworden, dass diese Stadt wieder eine Stadt werden muß, eine Stadt zweier Nationen und mit unterschiedlichen Staatszuhörigkeiten. Dafür musste eine Aufgabe gefunden werden, ein Bild, ein Symbol, das mehr ist als Bild und Symbol, nämlich etwas Praktisches Greifbares und Besuchenswertes. So entstand die Idee zum „Brückenpark Neiße“. Der „Brückenpark“ ist das Gelände längs des Flusses und quer durch die Stadt. Beide Stadtverwaltungen haben dazu entsprechende Beschlüsse gefasst. Dem Fluss zugewandt, soll eine neue geistig-kulturelle Mitte beider Städte, mit Bildungseinrichtungen, Sport- und Freizeitstätten, Restaurants, Parkanlagen, Uferpromenaden und kulturellen Einrichtungen.

Jeder Mensch hat das Recht, beim Fluss Neiße zu leben, und der Fluss Neiße hat das Recht, an jedem vorbei zu fließen.