Jud Süß – das lange Leben eines Propagandafilms. Filmvorführung, mit Filmeinführung und Diskussion

Filmvorführung, -Einführung und Diskussion, 27. Januar 2024 Beginn 18:15 Uhr


Unter den Propagandafilmen aus der Zeit des Nationalsozialismus gilt Veit Harlans antisemitischer Spielfilm „Jud Süß” von 1940 als besonders berüchtigt. Als ideologische Begleitung im Zuge der Ermordung der europäischen Juden konzipiert, war der Film auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen und kontroverser Debatten, insbesondere um seinen Regisseur Veit Harlan, der jegliche persönliche Verantwortung für das Ausmaß der antisemitischen Hetze bestritt.

 

In Görlitz begrüßen wir Prof. Dr. Bill Niven, der die Entstehungsgeschichte von „Jud Süß” im Kontext der von Joseph Goebbels gesteuerten nationalsozialistischen Filmpolitik nachzeichnet. Mit einer Filmeinführung, laden wir im Anschluss zur Diskussion.

Für den Anlass wird die aus dem Jahr 2010 stammende Filmversion von Oskar Roehler mit Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu gezeigt. Das Drama Jud Süß – Film ohne Gewissen dreht sich um die Entstehungsgeschichte Nazi-Propagandafilms Jud Süß.

 

Der schottische Historiker für Zeitgenössische Deutsche Geschichte und emeritierte Professor der Nottingham Trent University schildert in seinem im Jahr 2022 erschienen Buch u. a. die intensive Debatte um den Film – und um die Person Harlans – im Nachkriegsdeutschland. Demonstrationen in Westdeutschland in den 1950er Jahren gegen Harlans Neueinstieg ins Filmgeschäft spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer demokratischen Protestkultur und einer Abwehrhaltung gegenüber Antisemitismus. Damit war aber die Geschichte des Films keineswegs zu Ende. Bis in die Gegenwart versucht man, anhand von »Jud Süß« mit pädagogischen Mitteln aufzuzeigen, wie antisemitische Propaganda funktioniert. Die Veranstaltung erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Wilhelm-Külz-Stiftung

 

Um Anmeldung wird gebeten, siehe Link Wilhelm-Külz-Stiftung www.kuelz-stiftung.de
Kosten der Teilnahme 5 EUR.

Kartenvorverkauf: Heine KINOBAR, Klosterplatz 18/19, 02826 Görlitz oder Barzahlung vor Ort

 

Niven, Bill: Jg. 1956, Prof. Dr., Historiker; Professor für Zeitgenössische Deutsche Geschichte an der Universität Nottingham Trent in England, emeritiert; zuletzt zum Thema Vergangenheitsbewältigung:

 

·       Jud Süß – das lange Leben eines Propagandafilms, Mitteldeutscher Verlag 2022;

·       „Jüngere Strömungen deutscher Erinnerungskultur – einige Beobachtungen“, in: Magnus Brechtken (Hg.): Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Ein Kompendium, Wallstein 2021, S. 647-668;

·       „Im Wandel der Zeiten. Die Bedeutung der Stolpersteine heute“, in: Silvija Kavčič/Thomas Schaarschmidt/Anna Warda/Irmgard Zündorf (Hg.): Steine des Anstoßes. Die Stolpersteine zwischen Akzeptanz, Transformation und Adaption, Metropol 2021, S. 74-93.

·        National and Transnational Memories of the Kindertransport: Exhibitions, Memorials, and Commemorations (Dialogue and Disjunction: Studies in Jewish German Literature, Culture and Thought). Autoren: Amy Williams, Bill Niven. Herausgeber: ‎ Camden House Inc 2023, Englisch. 272 Seiten

 

Bill Niven lebt in Nottingham, England. Soeben erschienen ist sein Trauerbuch Du bleibst da: ein Abschied, Mitteldeutscher Verlag 2023. Nivens Frau, Helena Schmitt, ist 2023 nach langer Multiple-Sklerose-Krankheit gestorben.

 

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Regie: Oskar Roehler

Besetzung: Tobias Moretti, Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck

 

Im Berlin des Jahres 1939 betreibt Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu) einen unvergleichlichen Aufwand, um seine NS-Kino-Produktion auszubauen. Wer in Deutschland Karriere machen will, kommt nicht an seinem neuesten Prestige-Projekt „Jud Süß“ vorbei, einem Propagandafilm, der als Werk eines Teufels in die Filmgeschichte eingehen wird. Der österreichische Darsteller Ferdinand Marian (Tobias Moretti) ist für die Hauptrolle vorgesehen, Veit Harlan (Justus von Dohnanyi) soll Regie führen. Marians Frau Anna (Martina Gedeck) gibt zu bedenken, dass ihr Mann sich damit auf ein hochproblematisches Image festlegen wird. Dem Druck aus Berlin ist der bis dahin bloß mittelmäßig erfolgreiche Schauspieler jedoch nicht gewachsen. Kurzerhand versucht er, seine Rolle zum Sympathieträger umzudeuten – und spielt Goebbels’ Plänen damit umso mehr entgegen.

 


Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialimus am 27. Januar 2024 sind Flaggen an öffentlichen Gebäude auf halbmast. Wie in Görlitz wird mit Gedenkveranstaltungen der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedacht, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. International wird der 27. Januar als Holocaus-Gedenktag begangen. Das Datum erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Januar 1945 durch die Rote Armee. #WeRemember