Die galerieartige Ausbildung der Obergeschosse, der verglaste Lichthof und die aufwändige Treppenanlage erinnern an das Gebäude des Görlitzer Kaufhauses Strauss, das grössere der beiden Jugendstilkaufhäuser, am Demianiplatz. Beide sind herausragende Zeugnisse gehobener Verkaufskultur aus der Kaiserzeit

Das Grundstück auf der Salomonstraße in der Görlitzer Innenstadt wurde um 1883 mit einem Wohn- und Geschäftshaus einschließlich eines Hinterhauses bebaut. Der Tuchfabrikant Louis Stiasny ließ 1893 das Hinterhaus neu errichten. Er nutzte dieses als Verkaufsraum für die von ihm hergestellten Schals, Taschen- und Halstücher sowie anderer Accessoires für Damen. Da man wegen der Bausituation nur die Hofseite mit Fenstern versehen konnte, ließ Stiasny einen mit Glas überdachten Lichthof konzipieren. Dieser wird bzw. wurde im ersten und zweiten Obergeschoss von Galerien mit schmiedeeisernen Geländern mit geometrischen und floralen Motiven umlaufen. Eine ähnliche Gestaltung findet sich am Treppengeländer wieder. Außergewöhnlich sind die Eulen, die die Kapitelle der gusseisernen Säulen schmücken. Im Erdgeschoss ist hofseitig der ehemalige Kontorraum abgeteilt.


Die konstruktive Lösung der überdachung des Lichthofes basierte auf einem leicht zum Hof geneigten Flachdach, wobei der Dachausschnitt zunächst mit Glas überspannt war  und zudem, als unabdingbaren Schutz, eine Glaspyramide trug. Wegen des schlechten Bauzustandes mussten aus Sicherungsgründen die wertvollen Orignialgläser ausgebaut werden. Ganz aktuell wird ein Raumnutzungskonzept ersteltt, um eine Öffnung des Gebäudes zu ermöglichen - wenn auch mit einer eingeschränkten Nutzung.

Lost Places | Görlitz Vergessene Orte

Manche sind verfallen oder nicht mehr bewohnt, haben aber trotzdem eine spannende Geschichte zu erzählen